Die Entwicklung des Feuerlöschwesens in Gadenstedt

19. Jahrhundert

Die Aufzeichnungen über die Gadenstedter Feuerwehr beginnen im April 1850. Schon damals hatte jeder Einwohner einen Beitrag zur Anschaffung von Löschgeräten zu leisten. In jenem Jahre erhielt Heinrich Gottschalk aus Bierbergen den Auftrag zu einer Generalüberholung der Feuerspritze. Es war eine Handdruckspritze. Einem Protokoll vom 4. Januar 1873 zu entnehmen, dass eine neue Spritze für 700 Taler angeschafft wurde. Dazu steuerte die landwirtschaftliche Brandkasse 150 Taler bei. Gastwirt Ferdinand Bodenstedt kaufte die alte Spritze für 60 Taler an.

Gründung Freiwillige Feuerwehr 1925

Die Aufstellung einer Pflichtfeuerwehr erfolgte im Jahre 1902. Ortsbrandmeister war Stellmacher Hermann Thies, sein Stellvertreter Stellmacher Karl Rump. Als 1924 auf dem Grundstück von Karl Lege (Pottberg) ein Brand ausbrach, nahmen die verantwortlichen Männer der Gemeinde die hierbei auftretenden Komplikationen zum Anlass, über die Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr zu beraten. Sie wurde am 8. Februar 1925 gegründet. Im Protokoll heißt es auszugsweise: "Im Wirrwarr des Zeitgeschehens wurde von 136 Männern des Ortes eine Freiwillige Feuerwehr gegründet." 80 Feuerwehrleute gehörten zum Kreise der Aktiven, 56 Männner standen in der Reserve.

Die Gemeinde unterstüzte die Bestrebungen der Freiwilligen Feuerwehr bereitwillig. Besonders Gemeindevorsteher Schierding hatte stets ein offenes Ohr für die Wehr.

Bald konnte eine Koebe-Benzinmotorspritze mit iener Leistung von 1.000 Liter pro Minute beschafft werden. An die Stelle des alten Spritzenhauses trat ein geräumiges Gerätehaus, dem ein Steigerturm aufgesetzt wurde. Die aktive Abteilung bildete einen Halblöschzug und gliederte sich in Spritzen-, Steiger- und Ordnungsabteilung.

Alarmierung und Befehlsweitergabe erfolgten noch durch Hornsignale. Ein Vorspannwagen mit Pferdezug beförderte die Spritze. Außerdem standen der Wehr ein Stoßtruppwagen und Schlauchhaspel zur Verfügung.

Die neue Motorspritze wurde zum ersten Mal bei einem Brand auf dem Grundstück des Kaufmanns Hermann Meyer eingesetzt. Das war 1925.

1928 brannte es bei Hermann Klingenberg, 1930 bei Wilhelm Garmessen, 1931 stand die Gutscheune in Flammen. Weitere Brände folgten. 1933 bei Heinrich Michehl und Wilhelm Feuge (19), 1943 bei Heinrich Siedentop (Brandbombe). 1944 wurde die Feuerwehr zum Katastropheneinsatz nach Hannover beordert.

1944 wurde auf dem Steigerturm eine Alarmsirene montiert. Während des Zweiten Weltkrieges stellte die Gadenstedter Feuerwehr bei Fliegeralarmen 326 Wachen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

1947 brannte es bei Wilhelm Rump (77). Weitere Löscheinsätze hatte die Wehr in Groß Lafferde, Oberg (jeweils zweimal) und Adenstedt.

Bei allem Einsatz und hartem Übungsdienst kam das gesellige Leben nicht zu kurz. Jederzeit hielt man gute Kameradschaft. Mancher denkt gern an frohe Stunden zurück, zu denen man sich nach getaner Arbeit zusammenfand, häufig bei Bier und Brötchen, mit Sülze und Mett.

Der Zweite Weltkrieg riss Lücken in die Reihen der Feuerwehrkameraden. Nachdem in den Nachkriegsjahren junge Männer in den freiwilligen Dienst nachgerückt waren, erhielt die Ausbildung neue Akzente. Nun führte man Übungen mit Wettkampfcharakter durch. Lange Jahre diente der Gutspark als Übungsstätte.

Neuen Auftrieb gab es, als die Gemeinde 1949 ein Fahrzeug als Mannschafts- und Vorspannwagen anschaffte, um die Einsatzbereitschaft der Wehr zu verbessern. Die Ära Thies ging 1952 zu Ende, als der verdiente Brandmeister, der 27 Jahre die Wehr geführt hatte, aus Altersgründen um Entlassung aus dem aktiven Dienst bat. In seine Fußstapfen trat als Gemeindebrandmeister sein Sohn, zu dessen Stellvertreter Hermann Möllring bestellt wurde.

1959 erhielt die Wehr eine Tragkraftspritze TS 8/8 mit Anhänger. Im Oktober 1965 beschloss der Rat, ein noch leistungsfähigeres Gerät, eine LF 8 mit Vorbaupumpe zu kaufen. Damit wurde die Gadenstedter Wehr noch schlagkräftiger. Wiederholt musste die Wehr bei größeren Bränden in benachbarte Gemeinden ausrücken.

Bezirksmeister 1965

Das Jahr 1965 brachte für die nun schon stark verjüngte Wehr einen Höhepunkt, der zugleich auch Anerkennung für die freiwillig im Dienst stehenden Kameraden bedeutete. Obwohl die Gadenstedter Gruppe wegen des gerade stattfindenen Schützenfestes geschwächt war, belegte sie bei den Leistungswettkämpfen des Kreises den ersten Platz und sicherte sich damit die Teilnahme am Entscheid im Regierungsbezirk Hildesheim. Am 12. September kerhte sie als Bezirksmeister von Holzminden heim.

Das Kommando der Wehr setzt sich zur zeit aus dem Wehrführer, Brandmeister Hermann Thies, seinem Stellvertreter, Hauptfeuerwehrmann Hermann Ebeling, dem Kassierer, Oberfeuerwehrmann Hermann Feuge, und dem Schriftführer, Oberfeuerwehrmann Adolf Schiller, zusammen. Für die Einwohner ist es sehr beruhigend zu wissen, dass es noch Männer gibt, für die das Motto gilt: Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!

 

Brände in der Gemeinde Gadenstedt seit 1859

1859 brennt das Hirtenhaus, es wird wieder aufgebaut.

1892 brennt das Haus Kattenhagen Nr. 27 ab (neue Nr. Kattenhagen 6).

1894 brennt das Haus Nr. 115 ab (neue Nr. Deckersweg Nr. 2).

1907 brennt die Scheune des Pfarrhauses Nr. 141 (neue Nr. Kirchstraße 1).

1911 wird das Hirtenhaus durch Brand völlig zerstört. Es wird nun nicht wieder aufgebaut. Die politische Gemeinde erwirbt als Ersatz für die Unterbringung der sieben Familien das Grunstück Nr. 156 (neue Nr. Am Fillerstein 3). Auf dem alten Platz des Hirtenhauses steht heute das Gebäude der Spar- und Darlehenskasse Gadendstedt.

1913 Haus-Nr. 196 Wagenführ (neue Nr. Meeschestraße 2).

1924 Haus-Nr. 98 Lege (neue Nr. Pottberg 7).

1925 Haus-Nr. 108 Meyer (neue Nr. Lindenplatz 4).

1928 Tischlereiwerkstatt Hermann Klingenberg auf dem Grundstück Nr. 11 (neue Nr. Lauenthaler Weg 2).

1930 Wilhelm Garmessen Nr. 12 (neue Nr. Am Breiten Tor 16).

1931 Gutsscheune Ecke Meierstraße/Junkernberg

1933 Grundstück Nr. 19 (neue Nr. Am Breiten Tor 7, Feuge).

1933 Grundstück Nr. 61 Michehl (neue Nr. Düstere Straße 5).

1943 Grundstück Nr. 193 Siedentopf (neue Nr. Bodenstedtsweg 2). Der Brand entstand durch abgeworfene Brandbomben.

1947 Grundstück Nr. 77 Rump (neue Nr. Am Brink 9).

Feuerbrünste haben in Gadenstedt im Laufe der Jahrhunderte manches Gehöft in Schutt und Asche gelegt. Wie schwer es die einzelnen Familien getroffen hat, erfahren wir durch Balkeninschriften, die auf solche Geschehnisse hinweisen. Worte wie: "Mancher baut aus Hochmut und Pracht, uns aber hat  die Noth dazu gebracht." geben hiervon Kunde.

Durch mündliche Überlieferung wissen wir, dass im Jahre 1821 ein großes Schadensfeuer das sogenannte Papenviertel, die Gehöfte Ludewig Pape 56, Heinrich Pape-Lüddecke, Conrad Dettmer-Adolf Pape und weitere Anwesen vernichtete. Die Balkeninschrift an dem Hause Nr. 56 erinnert noch heute an diese Katastrophe. Der Text lautet: "Gott unsere Hertzen bluten / von deinen schweren Rutten. Es ist um uns geschehen / dein Feuer schlug die Flamen, schnell über uns zu sammen / das niemandt kontte wiederstehen. Wo sint unser Häuser geworden hin." Johannes Andreas Ludewig Pape / Ilse Dorothee Marie Dettmer, 1821.

Aktive Mitglieder 1965 vor ihrem neuen Löschfahrzeug

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