Entwicklung des Feuerwehrwesens in der Region

Vor ca. 160 Jahren bildeten sich überwiegend aus den Kreisen der Turnerschaft die ersten Hilfseinrichtungen mit dem Ziel, durch die Bekämpfung von Schadenfeuern Werte zu erhalten. Zu den ersten Einrichtungen dieser Art zählte die Feuerwehr Peine, die im Jahre 1852 gegründet wurde und somit die älteste Freiwillige Feuerwehr im heutigen Landkreis Peine ist.

Das Preußische Gesetz vom 21.12.1904 ließ den Erlass von Polizeiverordnungen über die Verpflichtung der Einwohner zur Hilfeleistung bei Bränden und dergleichen zu. Es wurde durch das Preußische Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 15.12.1933 abgelöst und aufgehoben.

Danach musste in jedem „Ortspolizeibezirk“ eine leistungsfähige und den örtlichen Verhältnissen entsprechend ausgerüstete Feuerwehr vorhanden sein. Sie hatte den Auftrag, die Gefahren abzuwehren, die der Allgemeinheit oder dem Einzelnen durch Schadenfeuer drohen. Die sog. „Polizeiaufsichtsbehörden“ konnten den Feuerwehren auch die Abwehr sonstiger Gefahren übertragen.

Bereits damals wurden die Feuerwehren in

  • Berufsfeuerwehren
  • Freiwillige Feuerwehren und
  • Pflichtfeuerwehren

untergliedert.

Freiwillige Feuerwehren waren Vereine, deren Vereinszweck allerdings durch gesetzliche Bestimmungen geregelt wurde und die der Anerkennung staatlicher Organe bedurften. Das o. g. Gesetz von 1933 enthielt noch die Bestimmung: „Freiwillige Feuerwehren sind Vereine, deren Vereinszweck in der Bekämpfung der Feuergefahr besteht“.

Etwas anders verlief die Entwicklung des Feuerlöschwesens im damaligen Land Braunschweig. Als Ursprung des braunschweigischen Feuerwehrwesens sind die ersten Anordnungen der Regierung von Brandverhütungsmaßnahmen in den Gemeinden um 1750 anzusehen.

Durch diese wurde das Verbot des Tabakrauchens in Ställen und Straßen, des Feuermachens im Ort, bei Kornfeldern, bei Hecken etc. geregelt. Ebenso die Anlage von Löschwasserstellen und anderem mehr, als die strohgedeckten Lehmfachwerkhäuser sehr brandgefährdet waren und die Besitzer durch Einführung der Pflicht-Brandkassenversicherung geschützt wurden.

Auch wegen dieser Brandkasse musste größter Wert auf Vorbeugungsmaßnahmen gelegt werden, die schließlich im Jahre 1832 zu der von der Regierung erlassenen „Feuerordnung für die Landgemeinden“ führte. Diese schrieb neben den baulichen Absicherungen erneut Maßnahmen beim Umgang mit Feuer und Licht vor, sowie Anordnungen zur Vorbereitung der Brandbekämpfung durch Geräte (Spritze, Feuerhaken, Eimer, Feuerleitern, Löschwische), Mannschaften und Löschwasserteiche.

Das Interesse der Versicherungen förderte zusätzlich die technische Ausrüstung. Die im Jahre 1862 entstandene erste Freiwillige Feuerwehr in der Stadt Braunschweig – auch sie ging aus einem Turnverein als „Turner-Feuerwehr“ hervor – war mit der damals entwickelten „Abprotz-Spritze“ von der Firma Metz aus Heidelberg ausgestattet. Diese „Turner-Feuerwehr“ führte als Vorläufer über den „Löschverein“ zur „Städtischen Feuerwehr“ im Jahre 1867.

 

 

Diesem Beispiel folgend gründeten sich aufgrund der Verordnung zur Bildung „einexerzierter Feuerwehren“ vom 02.04.1874 in den Ortschaften die „Freiwilligen Feuerwehren“, so dass im Jahre 1879 im Herzogtum Braunschweig mit 445 Ortschaften und rd. 323.500 Einwohnern insgesamt 327 Freiwillige Feuerwehren mit 12.295 Mann, 127 Pflichtfeuerwehren mit 3.829 Mann und Ordnungsmannschaften mit 18.890 Mann, insgesamt also 35.014 Mann für die Brandbekämpfung zur Verfügung standen. Das entspricht einem Anteil von 11 % der Gesamtbevölkerung im Herzogtum Braunschweig.

Im damaligen Kreiskommunalverband Riddagshausen-Vechelde mir 81 Ortschaften und 30.326 Einwohnern sowie 4.101 Wohnhäusern gab es 68 Freiwillige Feuerwehren mit 1.960 Mitgliedern, 7 Pflichtfeuerwehren mit 122 Mitgliedern und Ordnungsmannschaften mit einer Stärke von 2.788 Mitgliedern. Das entsprach bei einer Gesamtstärke von 4.8.70 Personen sogar 16 % der Einwohner, auf die im Ernstfall Verlass war. In diesem Kommunalverband waren insgesamt 81 Spritzen, davon 35 ohne Saugwerk, vorhanden.

Im Amtsbezirk Vechelde haben diese Helfer in den Jahren 1851 bis 1875 insgesamt 50 Brände mit einem Schadenvolumen von 187.234,00 (Reichs-)Mark bekämpft bzw. verhütet. Im Durchschnitt also 3.744,00 Mark. In den Jahren 1876 bis 1878 verzeichnete man noch 10 Brände mit einer Schadenssumme von 33.72,00 Mark, also im Mittel 3.367,00 Mark pro Brand.

In Anerkennung an die Verdienste der Feuerwehren stiftete Prinzregent Albrecht von Preußen im Jahre 1887 das Ehrenzeichen für 25-jährige Dienstzeit, dass bei besonderen Anlässen, also bei Bezirks- und Kreisverbandsübungen, vom Kreisbranddirektor überreicht wurde.

Nach dem ersten Weltkrieg waren die Kreisbranddirektoren mit der „Wiederbelebung“ der Ortswehren beauftragt.

Durch das „Reichs-Gesetz über das Feuerlöschwesen“ vom 23.11.1938, dem zahlreiche Durchführungsverordnungen folgten, wurden die Berufsfeuerwehren, die Freiwilligen und die Pflichtfeuerwehren zu „technischen Hilfspolizeitruppen“, deren Kosten, wie auch schon früher, die Gemeinden zu tragen hatten.

In der NS-Zeit erfolgten Umorganisationen im Sinne der „Gleichschaltung“ durch entsprechende Satzungen für die Wehren mit einem „Führerrat“, mit „Exerzierreglemant“, Dienstplan, Marschübungen militärischer Prägung, die dann im zweiten Weltkrieg zur Dienstanweisung „Brandbekämpfung im Luftschutz“ führten. Den zweiten Weltkrieg erlebten die Feuerwehrmänner als unmittelbare Zeugen des größten Zerstörungswerkes aller Zeiten stets aus nächster Nähe mit, denn 75 Prozent aller Zerstörungen wurden durch Feuer verursacht.

Nach dem Zusammenbruch des totalitären NS-Regimes wurden für die Feuerwehren durch die eingesetzte Militärregierung Vorschriften erlassen, die grundsätzlich etwas über die Organisation, die Unterhaltung und den Einsatz der Feuerwehren aussagten, während sie Einzelheiten der Deutschen Verwaltung überließen. Die Feuerwehren wurden damals, ohne dass die Deutschen Länder zunächst neue gesetzliche Vorschriften erließen, als Gemeindeeinrichtungen lediglich auf der Basis von Verwaltungsvorschriften weiter geführt. Der Feuerschutz entbehrte dadurch einer gesicherten Rechtsgrundlage. 

 

Erst am 21.03.1949 erließ das neu gebildete Land Niedersachsen ein Gesetz über den Feuerschutz. Danach oblag den Gemeinden die Aufgabe, eine Feuerwehr aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten. Sie hatte auch notwendigen Feuerwehrbaulichkeiten, Löschwasserstellen und Alarmeinrichtungen zu schaffen und ebenfalls zu unterhalten.

Den Landkreisen oblag die übergemeindliche Aufgabe des Feuerschutzes, insbesondere die hauptamtliche Brandschau durch die Brandschutzprüfer, die Aufsicht über das Feuerschutzwesen der Gemeinden und ihre Beratung in Angelegenheiten des Feuerschutzes. Außerdem haben sie Anlagen des Feuerschutzes für übergemeindliche Zwecke einzurichten, wie die Durchführung von Ausbildungslehrgängen, die Einrichtung und Unterhaltung von Feuerwehrtechnischen Zentralen (FTZ) zur Unterbringung, Pflege und Prüfung von Fahrzeugen, Geräten und Material, den Einsatz der Kreisfeuerwehr und vieles mehr.

Die Landkreise unterstützen die Gemeinden auch bei der Beschaffung von feuerwehrtechnischem Material und Einsatzfahrzeugen, sowie einheitlicher Schutzbekleidung und so weiter, sofern die einheitliche Beschaffung zweckmäßig ist. Dazu werden Zuschüsse aus der Feuerschutzsteuer im Rahmen von Schlüsselzuweisungen und Festbeträgen nach einem bestimmten Maßnahmenkatalog gewährt. Hierbei handelt es sich um Zuweisungen des Landes nach ein bestimmten Verteilerschlüssel, die sich nach dem Feuerschutzsteuergesetz ergeben und über die Bundesländer an die Landkreise und kreisfreien Städte verteilt werden.

Diese Aufgaben haben die Kommunen nach dem Niedersächsischen Gesetz über den Brandschutz und Hilfeleistungen der Feuerwehren (Nds. Brandschutzgesetz – NBrandSchG) vom 08. März 1978 in der heutigen Fassung nach wie vor.

Heute gibt es in Deutschland 23.292 Feuerwehren, davon 22.274 Freiwillige Feuerwehren, 101 Berufsfeuerwehren, 917 Werkfeuerwehren und 17.545 Jugendfeuerwehren mit insgesamt 1.375.558 Aktiven. Derzeit gehören in Niedersachsen etwa131.000 Mitglieder Freiwilligen Feuerwehren an; davon sind ca. 10.700 weibliche Mitglieder. Etwa 33.800 Jugendliche, davon 9.500 Mädchen sind in 1.939 Jugendabteilungen organisiert. In 124 Jungendabteilungen sind auch Jugendliche mit Migrationshintergrund Mitglied. Alle 427 Gemeinden mit insgesamt 3.382 Ortsfeuerwehren haben Freiwillige Feuerwehren aufgestellt. Darüber hinaus sind in Delmenhorst, Emden und Hameln Hauptberufliche Wachbereitschaften mit insgesamt 134 hauptberuflichen Kräften eingerichtet. In den zehn Großstädten Braunschweig, Cuxhaven, Göttingen. Hannover, Hildesheim, Oldenburg, Osnabrück, Salzgitter, Wilhelmshaven und Wolfsburg sind Berufsfeuerwehren mit insgesamt 1.732 hauptberuflichen Feuerwehrleuten für den Brandschutz und die Hilfeleistung zuständig.

Obwohl der Brandschutz eine spezielle Aufgabe der Gefahrenabwehr ist, die im Regelfall von den kommunalen Aufgabenträgern als Auftragsangelegenheit (übertragener Wirkungskreis) ausgeführt wird, wurde der Brandschutz aus Gründen der Tradition und zur Erhaltung und Pflege der ehrenamtlichen Tätigkeit durch Gesetz Selbstverwaltungsaufgabe der Gemeinden und Landkreise. Die Aufgabe ist von den kommunalen Gebietskörperschaften als gesetzliche Pflichtaufgabe des eigenen Wirkungskreises zu erfüllen.

 

 

Verfasser:

Dirk Hornemann

 

Quellenangabe:

- Kommentar Scholz/Runge/Thomas; NBrandSchG, 7. Auflage

- Archivakten Landkreis Peine